Leopold Mozart (1719-1787) wurde am 14. November 1719 als
ältestes von neun Kindern in der Frauentorstraße 30 in Augsburg
als Sohn des Buchbindermeisters Johann Georg Mozart und seiner Frau Anna Maria
geboren.
Leopold kam als Achtjähriger an das von Jesuiten geführte Gymnasium zu St.
Salvator. Schon früh wurde seine musikalische Begabung deutlich: Er war Sängerknabe
in St. Ulrich und Heilig Kreuz. Zudem wirkte er als Mitglied des
Jesuitentheaters regelmäßig in Gesangsrollen bei Aufführungen der Schule mit,
die in der Aula - dem heutigen »Kleinen Goldenen Saal« - stattfanden.
Im städtischen Komödienstadel am Lauterlech in der Jakobervorstadt hatte
Leopold zudem die Gelegenheit, italienische Opern und Singspiele der
Meistersingerzunft zu hören.
Nach dem Tod seines Vaters 1737 setzte Leopold nicht wie erwartet das Studium
in den theologischen Fächern in Augburg fort, sondern schrieb sich am Ende des
Jahres an der Universität in Salzburg ein.
Dennoch blieb der Kontakt zu seiner Heimatstadt bestehen: Leopold besaß zeitlebens
das Augsburger Bürgerrecht und ließ es zweimal vom Rat der
Stadt bestätigen. Auch pflegte er als Salzburger Hofkapellmeister weiterhin
Kontakte zu seinem Bruder Franz Alois (1727-1791) und knüpfte
neue Beziehungen zu Johann Jakob Lotter (1727-1792) und zu
Johann Andreas Stein (1728-1792), mit denen Leopold zudem in regem
Briefkontakt stand.
Auch die Verbindungen zum »Collegium Musicum«, das viele seiner Werke
aufführte oder zum Kloster Heilig Kreuz blieben erhalten (sein späterer
Vorgesetzter in Salzburg, Hieronymus Graf Colloredo war übrigens von 1759-1775
Probst der Augsburger Kirche St. Moritz).
1756, im Geburtsjahr von Wolfgang Amadeus Mozart,
erschien Leopold Mozarts erste Auflage seiner epochemachenden Abhandlung
"Versuch einer gründlichen Violinschule", die er bei seinem Augsburger Freund,
dem Verleger Johann Jakob Lotter, drucken ließ. Das Werk, das dem Salzburger
Fürsterzbischof von Schrattenbach gewidmet ist, der zugleich ein Augsburger
Domherr war, wurde bald in die niederländische, franzöische und russische
Sprache übersetzt.
In seine Heimatstadt kehrte Leopold Mozart nur noch zu Besuch zurück. Auf der
ersten Konzertreise mit seinen Kindern Wolfgang Amadeus und Nannerl
machten Leopold Mozart und seine Frau vom 22. Juni bis zum 6. Juli 1763 Station
in Augsburg. Die Ankunft der Familie wurde auch in der lokalen Presse
angekündigt. Leopold präsentierte den Augsburgern in drei Konzerten die
außergewöhnliche Begabung seiner Kinder. Tagsüber zeigte Leopold seiner Familie
das Augsburger Rathaus, sein Geburtshaus, das Jesuitengymnasium St. Salvator
und die Kirche St. Ulrich. Die Kinder lernten auch ihren Onkel Alois
und seine damals vierjährige Tochter, das »Bäsle«, Johann
Jakob Lotter sowie Johann Andreas Stein kennen.
(R.W.)