


|


Festsaal im Schaezlerpalais

Der „Augsburger Geschmack“ wurde von Kritikern des 18. Jahrhunderts in ganz Europa als Synonym für das deutsche Rokoko schlechthin verwendet. Das kunstvolle „Augsburger Silber“ – um 1735 gab es 260 bis 275 Meister des Gold- und Silberschmiede-Handwerks bei 30 000 Einwohnern – war an vielen Höfen Europas begehrt. Die Zeit des Rokoko hinterließ in Augsburg auch prunkvolle Paläste, darunter das Schaezlerpalais, das im Verlauf der Renaissancebauten der Maximilianstraße eine Besonderheit darstellt. Der Bankier und Silberhändler Benedikt Adam Freiherr von Liebert (1731-1810) ließ sich das Palais zwischen 1765 und 1770 von dem Münchener Hofarchitekten Albert von Lespilliez erbauen und benannte es nach seinem Schwiegersohn. Dessen Nachkomme schenkte es 1958 der Stadt. Prunkstück ist der Rokokofestsaal mit Schnitzdekorationen, Stukkaturen, Wandspiegeln und dem Deckengemälde „Der Handel verbindet die Erdteile“ von Gregorio Guglielmi (1714-1773). Von ihm stammt auch das Deckengemälde im Treppenhaus mit Apollo, Merkur und den „Sieben Freien Künsten“. Im Festsaal des Rokoko-Palais tanzte schon Marie Antoinette – Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia – als sie auf ihrer Brautreise nach Frankreich Station in Augsburg machte. Das Schaezlerpalais besitzt, wie viele Häuser der Maximilianstraße, einen Arkaden-Innenhof und einen Garten, in dem sich neben einem Nixenbrunnen die Marmorstatue einer träumenden Frau befindet, die dem Augsburger Bildhauer Ignaz Ingerl (1752-1800) zugeschrieben wird. An der Gartenmauer stehen die im Jahr 1807 von Johann Michael Haff in Stein gemeißelten Allegorien. Im Schaezlerpalais wurde die erste Deutsche Barockgalerie eröffnet. Sie enthält Gemälde von großen Meistern der deutschen Barockmalerei, darunter Johann Heinrich Schönfeld (1609-1684), der auf die Augsburger Maler sehr großen Einfluss ausübte, Johann Georg Bergmüller (1688-1762), Matthäus Günther (1705-1788) und Johann Evangelist Holzer (1709-1740). Die Gemälde der Stiftung Karl und Magdalene Haberstock von 1958 geben zusätzlich einen Einblick in die außerdeutsche Barockmalerei. (R.W.)

|
 |
|