25. Februar 2018 - 17:00 |
Konzert

Leopold-Mozart-Kammerorchester: Mozart? - Mozart!

Mozart meets Dittersdorf

Im Jahre 1765- der 9-jährige W.A.Mozart hält sich gerade mit seiner ganzen Familie in London auf und komponiert seine ersten Sinfonien- wird der Violinvirtuose und Komponist  Johann Carl Ditters von Ditterdorf (1739-1799) vom Bischof von Großwardein in Siebenbürgen zum Kapellmeister seiner Hofkapelle ernannt. Dittersdorf engagiert für die Kapelle einige gute Instrumentalisten aus Wien, darunter den "braven Pichelberger", wie er später in seiner Autobiografie schreibt. Es handelt sich dabei um Friedrich Pichelberger, einen berühmten Kontrabassvirtuosen der Wiener Klassik, für den 1791 Mozart die Solopartie für seine Konzertarie KV 612 schreiben wird. Pichelberger ist damals Mitte Zwanzig und als ihm Dittersdorf vorschlägt, ein Konzert für 2 Soloinstrumente, Kontrabass und Viola zu schreiben, ist er begeistert über diese Aufgabe.

Wer in Großwardein die Viola gespielt hat, wissen wir nicht, aber in unserem Konzert am 25.2.2018 wird dies die Augsburgerin Teresa Schwamm sein, die mit ihrem Armida Quartett 2012 den ersten Preis beim ARD-Wettbewerb gewonnen und seitdem eine internationale Karriere gemacht hat.

Die Basspartie übernimmt ihr Freund und Kollege, der junge deutsch-amerikanische Kontrabassist Alexander Edelmann, über den vor kurzem in den „Ruhrnachrichten“ zu lesen war:

„Läufe über das 1,10 Meter lange Griffbrett gelangen Edelmann ebenso wie die Flageoletts, die Obertöne in den Hohen Lagen, in denen der Kontrabass Cello-Höhe erreicht, blitzsauber und technisch souverän. Und musikalisches Temperament hat der junge Musiker auch.“

Ca. 20 Jahre später, 1786 findet in Wien eine Uraufführung statt. Carl Ditters von Dittersdorf bringt im Saal des kaiserlichen Augartens unter großem Beifall 6 neue Sinfonien zur Aufführung.

Die Sinfonia in C-Dur ist eine Art Programmmusik. Carl Ditters hat sich für die einzelnen Sätze des Werkes von der seit der Antike bekannten Idee von den Weltzeitaltern anregen lassen, wobei er die von Ovid in seinen Metamorphosen geschilderten Darstellungen im Sinne des Rokoko sehr frei interpretiert. Vieles spricht dafür, dass die Betitelung der Sinfonie auch einer klugen Verkaufsstrategie entsprang - Musikstücke mit blumigen Titeln sind meist erfolgreicher – und so ist hier ein sehr populäres und unterhaltsames Werk entstanden, das auch heute noch seine Liebhaber finden wird.

Der erste Satz steht für das Goldene Zeitalter, für das Paradies, das Idyll eines ewigen Frühlings, während der letzte Satz eine reine Schlachtenschilderung ist, passend zur Idee des Eisernen Zeitalters - allerdings mit Happy End, denn wenn sich am Ende der Schlacht allmählich der Pulverdampf verzieht, hört man aus der Ferne eine fröhliche Kapelle heranziehen...

Ziemlich genau zur gleichen Zeit hält sich W.A.Mozart in Prag auf. Seine Oper

Le nozze di Figaro, die in Wien nicht besonders erfolgreich uraufgeführt worden war, hatte hier größte Begeisterung hervorgerufen:

Am 15. Januar 1787 schreibt Mozart an Gottfried von Jacquin, einen guten Freund in Wien:

„…ich sah aber mit ganzem Vergnügen, wie alle diese leute auf die Musick meines figaro, in lauter Contretänze und teutsche verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen; - denn hier wird von nichts gesprochen als vom  - figaro; nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als - figaro: keine Opera besucht als - figaro und Ewig figaro; gewis grosse Ehre für mich.“

Am 19. Januar  1787 fand in einer Akademie im Nationaltheater in Prag die Uraufführung einer Anfang Dezember fertiggestellten neuen Sinfonie in D-Dur statt, die später den Namen „Prager Sinfonie“ erhalten sollte und die den Abschluss unseres Konzertes am 25. Februar 2018 bilden wird.

Biografien der Solisten:

Teresa Schwamm, 1988 in Augsburg geboren, erhielt ihren ersten Violinunterricht beim Vater im Alter von sieben Jahren. Bereits kurze Zeitspäter wechselte sie zur Viola, inspiriert von dem warmen und dunklenKlangcharakter dieses Instrumentes. Anschließend wurde Teresa Schwamm von Jorge Sutil (Münchner Philharmoniker) unterrichtet und studierte bis 2013 in der Klasse von Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Wichtige künstlerische Anregungen erhielt sie unter anderem von Lars Anders Tomter, Lawrence Power, Nils Mönkemeyer, Kim Kashkashian und Barbara Westphal. Teresa Schwamm gewann zahlreiche 1. Preise beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", desweiteren erhielt sie den 2. Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Bodensee Musikwettbewerb 2011 sowie den Kunstförderpreis der Stadt Gersthofen.

Solistisch trat Teresa Schwamm unter anderem in Bayreuth mit den Hofer Symphonikern, dem südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, der slowakischen Sinfonietta, beim Mecklenburg Vorpommern Festival, dem Bad Kissinger Musiksommer, mit dem schwäbischen Jugend-Sinfonieorchester und dem Bundesjugendorchester unter Gerd Albrecht, Sebastian Weigle sowie Sir Simon Rattle auf. Als Solobratschistin konzertiert sie regelmäßig im Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Philharmonischen Orchester Augsburg und der Camerata Bern. Desweiteren spielt sie regelmäßige Orchesteraushilfen bei den Berliner Philharmonikern, dem Mahler Chamber Orchestra und dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin.

Besonders leidenschaftlich widmet sich Teresa Schwamm seit jeher dem Kammermusikspiel. Sie ist Gründungsmitglied des Armida Quartetts, mit welchem sie an der „Universität der Künste“ Berlin in der Klasse des Artemis Quartetts den Masterabschluss erreichte. 2011 gewann das Ensemble den 66. „Concours de Genéve“, im Jahr darauf den ARD Musikwettbewerb. Kammermusikalisch konzertiert Teresa Schwamm weltweit mit Künstlern wie Maximilian Hornung, Jörg Widmann, Antje Weithaas, Julian Steckel u.a..

Im Sommer 2018 wird sie als "Artist in Residence“ bei den Konzerten im Frohnhof in Augsburg zu Gast sein.

 

Der Kontrabassist Alexander Edelmann, geboren 1990, begann sein Kontrabassstudium mit 13 Jahren. Als Jungstudent erhielt er Unterricht von Lawrence Wolfe am “New England Conservatory”, wo er mit höchster Auszeichnung seinen Abschluss bestand. Seinen Bachelor machte er anschließend an der Boston University bei Todd Seeber und wechselte 2013 nach Berlin in die Kontrabassklasse von Matthew McDonald (1. Solo-Kontrabassist-Berliner Philharmoniker) an die Hochschule für Musik ”Hanns Eisler”.

2016 schloss er seinen Master mit “sehr gut” ab. Derzeitig ist er Student von Prof. Rick Stotijn an der “ Robert Schumann Hochschule für Musik” in Düsseldorf, wo er als erster Kontrabassist zum Studiengang “Konzertexamen” zugelassen wurde. Weitere künstlerische Impulse sammelte er bei Edwin Barker, Janne Saksala, Esko Laine, Joel Quarrington, Hermann Stützer und David Allen Moore. Alexander Edelmann spielt regelmäßig als Gast bei Orchestern wie dem Helsinki Philharmonischen Orchester (als 1. Solo-Kontrabass), den Berliner Philharmonikern, dem Mahler Chamber Orchestra, der Deutschen Kammerphilharmonie-Bremen, dem Rundfunk Sinfonieorchester-Berlin, und dem Boston Symphony Orchestra. Weitere musikalische Erfahrungen sammelte er als Teilnehmer bei Musikfestivals wie Tanglewood, Pacific, Moritzburg, Zermatt, Bebersee, und Domaine Forget. Als Solist trat er in der vergangenen Saison bei den Baden-Badener Philharmonikern mit dem Kontrabasskonzert von Nino Rota auf und im Oktober 2017 im Konzerthaus Dortmund mit dem Vanhal Kontrabass Konzert als Stipendiat der Mozart Gesellschaft Dortmund. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen u.a Antje Weithaas, Boris Garlitsky, Augustin Dumay, Louis Lortie, Marie- Luise Neunecker, das Notos Quartett, sowie Mitglieder des Armida und Artemis Quartetts. Alex Edelmann wurde durch Preise der “Carl Flesch Akademie Baden-Baden” und der “Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin” gefördert. Seit 2015 ist er außerdem Stipendiat der Stiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz. Der junge Musiker spielt auf einem Neubau vom preisgekrönten Geigenbauer Christoper Savino (2017), sowie einem englischen Kontrabass von Bernard S.Fendt 1840, welcher ihm von der Landessammlung Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt wird.