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Christian Tetzlaff

Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. Im Mai 2015 schrieb The Guardian nach seinem Beethoven-Violinkonzert mit dem London Symphony Orchestra unter Daniel Harding: „The greatest performance of the work I’ve ever heard“.

Konzerte mit Christian Tetzlaff werden oft zu einer existenziellen Erfahrung für Interpret und Publikum gleichermaßen, altvertraute Stücke erscheinen plötzlich in völlig neuem Licht. Daneben lenkt er den Blick immer wieder auf vergessene Meisterwerke wie das Violinkonzert von Joseph Joachim, für das er sich erfolgreich stark gemacht hat, und versucht, gehaltvolle neue Werke wie das von ihm im Jahre 2013 uraufgeführte Violinkonzert von Jörg Widmann im Repertoire zu etablieren - er pflegt ein ungewöhnlich breites Repertoire und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr. 

Christian Tetzlaff wird regelmäßig gebeten als Residenzkünstler bei Orchestern und Veranstaltern über einen längeren Zeitraum seine musikalischen Sichtweisen zu präsentieren, so u.a. bei den Berliner Philharmonikern, der Londoner Wigmore Hall oder beim Metropolitan Orchestra New York. In der Saison 2018/2019 ist er „Artist in Residence“ gleichzeitig beim Seoul Philharmonic Orchestra und den Dresdner Philharmonikern. 

Im Verlauf seiner Karriere gastierte Christian Tetzlaff bereits mit allen großen Orchestern, darunter den Wiener und New Yorker Philharmonikern, dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam und allen Londoner Orchestern. Er arbeitet mit Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Manfred Honeck, Andris Nelsons, Antonio Pappano, Robin Ticciati, Paavo Järvi und Vladimir Jurowski zusammen, um nur einige zu nennen. 

Höhepunkte der Spielzeit 2018/2019 sind Konzerte in den USA beim Tanglewood Festival mit dem Boston Symphony Orchestra unter Thomas Adès, beim The Cleveland Orchestra und Detroit Symphony Orchestra sowie eine umfangreiche Tournee mit dem San Francisco Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas. In Asien wird er mit dem NHK Symphony Orchestra erstmalig eine Tournee nach Vietnam unternehmen, in Europa freuen sich auf ihn u.a. das Bergen und Helsinki Philharmonic Orchestra, das Orquesta Nacional de España, London Symphony Orchestra, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin sowie Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und die Münchner Philharmoniker mit Dirigentinnen wie Barbara Hannigan, Susanna Mälkki und Dirigenten wie Vladimir Jurowski, Robin Ticciati und John Storgårds. 

Was den 1966 in Hamburg geborenen und inzwischen mit seiner Familie in Berlin lebenden Musiker so einzigartig macht, sind – neben seinem großen geigerischen Können – vor allem drei Dinge: Er nimmt den Notentext wörtlich, er versteht Musik als Sprache, und er liest die großen Werke als Erzählungen, die existenzielle Einsichten spiegeln. Was hier ganz selbstverständlich klingt, ist im Konzertalltag ein eher ungewöhnlicher Ansatz. 

Wenn Christian Tetzlaff den Notentext so tief wie möglich zu erfüllen versucht – ohne Rücksicht auf die „Aufführungstradition“ und ohne sich die oft üblichen geigentechnischen Erleichterungen zu gönnen –, dann zeigen sich die altbekannten großen Werke oft in neuer Klarheit und Schärfe. Als Geiger versucht Tetzlaff hinter dem Werk zu verschwinden – und das macht seine Interpretationen paradoxerweise sehr individuell. Zum Zweiten „spricht“ Christian Tetzlaff mit seiner Geige, sein Spiel umfasst, wie die menschliche Sprache, eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht allein auf Wohlklang und virtuosen Glanz ausgerichtet.  Vor allem aber versteht er die Meisterwerke als Geschichten, die von zentralen Erfahrungen handeln. In ihrer Musik haben die Komponisten intensivste Gefühle, höchstes Glück und tiefste Krisen verarbeitet, und so begibt sich auch Christian Tetzlaff als Musiker in diese Grenzbereiche der Emotionen und der musikalischen Gestaltung. In vielen Stücken geht es um nichts Geringeres als um Leben und Tod. Das dem Publikum zu vermitteln, ist Christian Tetzlaffs Ziel. 

Bezeichnenderweise hat Tetzlaff viele Jahre in Jugendorchestern gespielt, in Uwe-Martin Haiberg an der Musikhochschule Lübeck hatte er einen Lehrer, für den die musikalische Interpretation der Schlüssel zur Geigentechnik war – nicht umgekehrt. 

Bereits 1994 gründete Christian Tetzlaff sein eigenes Streichquartett, und bis heute liegt ihm die Kammermusik ebenso am Herzen wie seine Arbeit als Solist mit und ohne Orchester. Jedes Jahr unternimmt er mit dem Tetzlaff Quartett mindestens eine ausgedehnte Tournee, in der Saison 2018/2019 unter anderem mit Konzerten im Gewandhaus Leipzig und im Berliner Boulez-Saal.

Das Tetzlaff Quartett wurde 2015 mit dem Diapason d’or ausgezeichnet; das Trio mit seiner Schwester Tanja Tetzlaff und dem Pianisten Lars Vogt wurde für den Grammy nominiert. In Trio-Formation wird er in dieser Spielzeit u.a. bei Festivals in Hitzacker und Klosters, in der Alten Oper Frankfurt und auf einer 8-Städte-Tournee in den USA zu hören sein.

Für seine CD-Aufnahmen hat Christian Tetzlaff zahlreiche Preise erhalten, zuletzt den Diapason d’or im Juli 2018, den Midem Classical Award in 2017 und den Preis Der Deutschen Schallplattenkritik 2015. Ein besonderes Anliegen sind ihm seit jeher die Solo-Sonaten und Partiten von Bach, die er in 2017 zum dritten Mal eingespielt und bei ONDINE veröffentlichte. The Strad Magazin lobte diese Aufnahme als „aufmerksame und lebendige Antwort auf die Schönheiten der Bach‘schen Solowerke“.

Christian Tetzlaff spielt eine Geige des deutschen Geigenbauers Peter Greiner und unterrichtet regelmäßig an der Kronberg Academy.