31. Oktober 2020 - 19:30 |
Beethovenzyklus

Akamus-Beethovenzyklus: "Pastorale"

Mozartfest

Denkt man an Symphonien, denkt man an Beethoven. Seine Dritte, Fünfte, Sechste und Neunte sind ganz klar die Benchmark, an der spätere Komponistengenerationen verzweifeln sollten. Dennoch waren viele von Beethovens Symphonien keine spontanen Eingaben des Himmels oder die Produkte eines aus sich selbst heraus schöpfenden Genies, sondern haben deutliche Vorbilder.  Dabei orientierte sich Beethoven nicht so sehr an Mozart sondern an Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach (Nr. 1 und 2), Paul Wranitzky („Eroica“) oder Étienne Nicolas Méhul („Fünfte“) und sogar dem Biberacher Justin Heinrich Knecht („Pastorale“). Sind Beethovens Symphonien deswegen nun weniger genial? Au contraire! Es macht sie nur noch faszinierender.

Die Aufführung zweier ‘Pastoralen’ weckt Neugier, Beethovens Werk aus dem musikalischen Horizont seiner Zeit heraus neu zu entdecken und einzuordnen. Denn die beiden Pastoral-Sinfonien von Beethoven und Knecht sind Zwillinge im Geiste, deren Gegenüberstellung überraschende Hörerfahrungen verspricht.

Mit seiner Sechsten Sinfonie schrieb Beethoven ein Tongemälde bestechender Naturbilder und schuf zugleich eine der bekanntesten Programmmusiken. Mit Meisterschaft fing er darin die “Erinnerung an das Landleben” und seine vielfältigen Stimmungen ein bis hin zum berühmten Gewittersturm. Beethoven wob hier die Naturbilder auf geniale Weise in die symphonische Anlage ein. Der pastorale Ton des Werks war prägend für eine neue Ästhetik sinfonischen Komponierens.

Deren Wurzeln begegnen dem Hörer überraschenderweise bereits in Justin Heinrich Knechts ‘Grande simphonie”, die gut zwei Jahrzehnte zuvor entstand. Sein ‘musikalisches Portrait’ der Natur ist ein ungemein origineller, doch heute kaum bekannter Vorläufer von Beethovens Sinfonie, der bereits die Dramaturgie und das Programm von Beethovens Sinfonie in großen Teilen vorweg nimmt.

Die Gegenüberstellung ist zugleich ein Plädoyer für die heute noch immer zu entdeckende Vielfarbigkeit und Kreativität innerhalb des sinfonischen Repertoires jenseits des vertrauten Kanons der Wiener Klassiker.

Programm

IGNAZ JACOB HOLZBAUER
Sinfonie in Es-Dur op. 4/3 „La tempesta del mare“

JUSTIN HEINRICH KNECHT
Le Portrait musical de la Nature, ou Grande Simphonie

LUDWIG VAN BEETHOVEN
Symphonie Nr. 6 F-Dur „Pastorale“ op. 68

Künstler

AKADEMIE FÜR ALTE MUSIK BERLIN
Orchestra in Residence der Mozartstadt

 

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Eine Veranstaltung im Rahmen von BTHVN2020.
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Für die freundliche Überlassung des Aufführungsmaterials der Sinfonie von Ignaz Holzbauer gilt ein besonderer Dank Frau Dr. Bärbel Pelker, Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.